Vom industriellen Erbe zum wandelbaren Zukunftsquartier – Campus für resiliente und nachhaltige Lebensmittelversorgung
Als steg PS unterstützen wir mit einem Teilprojekt eine Quartiersentwicklung auf einem insgesamt 15 Hektar großen brachliegenden, innerstädtischen Industrieareal in Niedersachsen. Die Entwicklung des Standorts fällt in eine Zeit tiefgreifender Veränderungen – wirtschaftlich, gesellschaftlich und städtebaulich. Vor diesem Hintergrund braucht es ein Nutzungskonzept für insgesamt 240.000 BGF, das nicht allein auf traditionelle immobilienwirtschaftliche Geschäftsmodelle setzt, sondern zukünftige Entwicklungen antizipiert, Raum für neue zunächst risikobehaftete und erst langfristig gesehen tragfähige Nutzungen schafft, welche die Transformation erfolgreich abschließen.
Konkret verfolgen wir auf einem Viertel der Fläche des Quartiers die Entwicklung eines „Campus für resiliente und nachhaltige Lebensmittelversorgung“. Auf dem Campus soll erforscht und erprobt werden, wie Deutschland die Bevölkerung trotz Klimawandels, geopolit. Krisen und gestörter Lieferketten zuverlässig und bezahlbar ernähren kann. Aktuell basiert die Lebensmittelversorgung in hohem Maße auf Importen von Schlüsselrohstoffen, wie z.B. von Düngemitteln, Vitaminen, Enzymen und Proteinen.
Im Zentrum der Idee stehen die Ernährungssysteme der Zukunft und damit die Bioökonomie als Transformationskonzept und die Biotechnologie als Schlüsseltechnologie. Auf dem innerstädtischen ehemaligen Industriestandort soll ähnlich wie im Food Valley im niederländischen Wageningen ein Reallabor entstehen, in dem Forschung, Pilotproduktion, Start-ups, Land- und Ernährungswirtschaft und Bildung miteinander verzahnt werden. Keimzelle soll eine Anlage für Präzisionsfermentation sein, mit der Proteine, Vitamine und weitere strategisch wichtige Lebensmittelrohstoffe regional und ressourceneffizient hergestellt werden können.
Der Campus soll Stadt und Region zu einem integrierten Bioökonomie-Ökosystem verbinden: regionale Agrarrohstoffe werden durch biotechnologische Verfahren zu Lebensmitteln und Inhaltsstoffen verarbeitet, neue Wertschöpfung entsteht vor Ort, Stoffkreisläufe werden geschlossen. Die Produktion wird wieder in die Stadt geholt, in ein urbanes Quartier mit kurzen Wegen und klimaneutralen Energiekonzept, in dem gewohnt, gearbeitet und produziert wird. Der Campus schafft bei der Bevölkerung ein Bewusstsein für nachhaltige Lebensmittelproduktion und Versorgungssicherheit. Er bietet besondere Chancen für den gesellschaftlichen Dialog und die Akzeptanz neuer Technologien. Die unmittelbare Sichtbarkeit kann Vertrauen fördern und zugleich die Bedeutung von Ernährungssicherheit als gesellschaftliche Zukunftsaufgabe ins öffentliche Bewusstsein rücken. Der Campus soll zu einem lebendigen Innovationsort werden, an dem nicht nur Technologien entwickelt und erprobt, sondern auch deren praktische Anwendung und gesellschaftliche Wirkung im unmittelbaren Umfeld deutlich werden. Mit ihm will die steg PS ein übertragbares Modell für die Transformation innerstädtischer Industrieareale zu Innovationsquartieren schaffen, die wirtschaftliche Entwicklung, Klimaschutz, Versorgungssicherheit und gesellschaftliche Resilienz und Teilhabe miteinander verbinden.
Für die Umsetzung dieser ambitionierten Projektidee mit einem Investitionsvolumen von 30-50 Mio. € sind neben privaten Investitionen geeignete öffentliche Fördermittel von zentraler Bedeutung. Hierfür greift die steg PS auf ihre umfassende Expertise aus anderen Projekten zurück und hat bereits erste Förderanträge gestellt. Zudem stehen wir in Gesprächen mit den Fördermittelstellen auf den verschiedenen Ebenen, da die Zielsetzungen der neuen EU-Förderperiode ab 2028 und ihre Umsetzungen in den Ländern besondere Chancen für die Realisierung des Projekts bieten.
